Systeme in Balance

 

Unser Anliegen ist es, diese häufig hochstilisierten, verkomplizierten mitunter auch angstbesetzten und Unsicherheit auslösenden Themen wie

  • Führen von Menschen,
  • individuelle Gesundheit als Teil einer gesunden Organisation,
  • Krisen als natürlicher und imperativer Bestandteil unseres Lebens

zu entmystifizieren und Entwicklungen in diesen Bereichen – getragen von einem natürlichen, systemisch ganzheitlichen Zugang – zu begleiten.
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Die Zeit des großen Wandels

Aus „Politik des Herzens“ – Nachhaltige Konzepte für das 21. Jahrhundert, Gespräche mit Vordenkern und Visionären, Geseko von Lüpke.

Vordergründig bekommen wir es jeden Tag zu spüren: Die hoch-industrialisierte moderne Welt ist mit ihrer Weisheit ziemlich am Ende. Seien es die spürbaren klimatischen Veränderungen, die schleichend zunehmende ökologische Zerstörung, die wachsende internationale Aggressivität in der Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich, das immer unkontrollierbarere Auf und Ab der Finanzmärkte, die kollabierenden Sozial- und Gesundheitssysteme, die leeren Staatskassen, die scheinbar nicht zu bewältigende Zunahme der Arbeitslosigkeit, das rasante Wachstum psychischer und allergischer Erkrankungen – wir erfahren immer mehr am eigenen Leib, am eigenen Geldbeutel, an der eigenen Lebensqualität, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Gleichzeitig werden wir Zeugen eines immer absurder anmutenden Polit-Theaters, in dem sich die etablierten Parteien gegenseitig die Schuld für die Krisen in die Schuhe schieben, um dann im Fall eines Wahlsieges Maßnahmen zu ergreifen, die sich politisch immer weniger voneinander unterscheiden und deshalb vor allem eins gemeinsam haben: Sie ändern nichts. Politik wirkt immer öfter als wirklichkeitsfernes hektisches Gehudel, mit dem ein drängendes Problem behoben werden soll und zehn weitere geschaffen werden. Kein Wunder also, dass auftritt, was Feuilletonisten gerne als „Politikverdrossenheit“ bezeichnen. Doch es ist nicht die Verdrossenheit an der Politik selbst, sondern eine tiefe Enttäuschung über das offensichtliche Scheitern der bisherigen Ansätze. Verdrossenheit ist nur die Folge der Orientierungs- und Hilflosigkeit, in der sich die Kultur als Ganzes befindet.

Kreative Politik findet trotzdem statt. Allerorten und mit wachsender Phantasie. Nur eben nicht dort, wo wir sie bisher lokalisiert haben – in den Regierungsgebäuden und Behörden –, sondern an der Basis, in den Kommunen, den Initiativen und den Köpfen und Körpern der Menschen. Da wird die Welt immer öfter neu wahrgenommen, Politik neu gedacht und Ideen unkonventionell umgesetzt – so, wie bei jeder existentiellen Krise alte Denk- und Lebensmuster in Frage gestellt und durch neue Ansätze ersetzt werden. „Wir sind”, sagt die amerikanische Kulturkritikerin Joanna Macy in diesem Band, „gleichzeitig Sterbebegleiter einer alten Welt und Geburtshelfer für eine neue Welt“.

Der Wandel, vor dem wir stehen, ist immens und reicht bis in die tiefsten Tiefen unseres Selbstbilds, unseres Menschenbilds, unseres Weltbilds. „Die Krise, in der wir stekken”, lässt sich im Gespräch mit dem Physiker Fritjof Capra nachlesen, „ist eine Krise der Wahrnehmung.” Was wir von der Welt und ihren inneren Gesetzen zu verstehen meinen, scheint nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit zu sein. Wir handeln auf Grund von Mythen, Überzeugungen und Denkmustern, an denen wir wie verbohrte Ideologen und blinde Fundamentalisten hängen. „Wir verwechseln die Landkarte, die wir uns von der Realität gemacht haben, mit der eigentlichen Wirklichkeit”, betont im siebten Kapitel der Psychologe Stanislav Grof, „und halten die Landkarte für die Wirklichkeit.”

Wer nach Alternativen für die lineare, monokausale, technologische, mechanistische Herangehensweise sucht, muss also zunächst einmal anerkennen, dass die Grundannahmen unseres Weltbildes falsch sind und die Wirklichkeit nicht ausreichend erklären – dass wir in der Sackgasse gelandet sind, weil wir an den falschen Mythos glauben. Mythen haben die Eigenart, dass wir sie kaum erkennen können, solange wir von ihnen beherrscht werden. Wir sehen sie bei vergangenen oder besser noch „primitiven“ Kulturen und übersehen dabei, dass wir eingesponnen sind in tiefe Glaubenssätze, denen wir oft wider besseren Wissens blindlings folgen, auch wenn sie voller Widersprüche sind.